Führen in Hochleistungsorganisationen
- HLOs befinden sich in einer dynamischen Umwelt, aus der täglich eine Vielzahl kritischer Situationen erwachsen, deren erfolgreiche Bewältigung besondere Exzellenz erfordert
- HLOs sind mit sehr vielen Handlungsfeldern konfrontiert, die miteinander verknüpft und durch Rückkopplungen eine hohe Komplexität entfalten
- Eigendynamik: Während man noch über Problemlösungen nachdenkt, verändert sich das Problem
- Komplexität beinhaltet Überraschungen und Unvorhersehbarkeiten. Ergebnisse von Handlungen sind schwer prognostizierbar.
- Viele Handlungen führen zu Ergebnissen, die die Richtung eines Prozesses irreversibel beeinflussen. Der Erfolg der Handlung ist also zwingend notwendig und deshalb ist Handeln nach dem Prinzip von "Versuch und Irrtum" problematisch.
- Intransparenz der Situation bedeutet, dass viele Informationen nicht vorhanden sind und Entscheidungen unter dem Horizont großer Unsicherheit getroffen werden müssen
- Die Paradoxie besteht darin, dass gleichzeitig eine Flut von Informationen, deren Zuverlässigkeit und Relevanz nicht unmittelbar einsehbar ist, parallel zu verarbeiten ist und der Zwang zu schneller Selektion besteht
- Wechselseitige Abhängigkeiten mit anderen Teams, Abteilungen und Bereichen erfordern eine hohe Qualität der Kooperation an den entsprechenden Schnittstellen
- Standardlösungen können meist nicht benutzt werden, da die Situationen individuell und fallbezogen bearbeitet werden müssen
Trotz dieser vielfältigen Restriktionen einer komplexen und dynamischen Umwelt und oftmals personeller Engpässe gelingt es einigen Organisationen und Teams, auch in einem durch die Aneinanderreihung kritischer Situationen geprägten Arbeitsfeld flexibel und situationsgerecht zu handeln. Sie sind es, die Erfolg haben und dem Wettbewerb mit entsprechender Gelassenheit begegnen können. Was macht den Unterschied? Was ist das Geheimnis ihres Erfolgs? Und vor allem: Gibt es bestimmte Handlungsmuster, die auf andere Organisationen übertragbar sind?
Gemeinsame Zielklarheit
In allen HLOs herrscht bei den Akteuren eine hohe Zielklarheit verbunden mit dem unbedingten Willen, gemeinsame Ziele gemeinsam durchzusetzen. Dies führt einerseits zu einer klaren Orientierung, andererseits werden Reibereien und Konflikte, die zu Blockaden und Lähmungen führen, vermieden. Zielklarheit bedeutet keineswegs kurzfristiges und durch operative Hektik begleitetes "Hinterherhecheln" nach einem Zahlenkonstrukt. Die Zielklarheit basiert vielmehr auf dem grundsätzlichen Bedürfnis, in der Sache Erfolg zu haben - die Motivation ist also intrinsisch. Dieser gemeinsame Wille zum Erfolg ermöglicht es Hochleistungsteams, ihre Ziele entsprechend veränderten Bedingungen anzupassen und sich auf Veränderungen schneller als konventionell gesteuerte Teams einzustellen.
Menschen in Hochleistungsteams haben eine Geisteshaltung, die man als Achtsamkeit bezeichnen kann. Jeder Einzelne macht sich in seinem Aufgabenfeld Gedanken darüber, wie mit einer neuen unvorhersehbaren Situation umgegangen werden muss. HLOs sind keine Objekte von Veränderung, sondern sie antizipieren und gestalten sie entsprechend ihren Möglichkeiten.
Wahrnehmungskompetenz
Achtsamkeit und Wahrnehmungskompetenz, Aufmerksamkeit für mögliche Fehler entstehen natürlich in erster Linie durch Erfahrung. Sie können aber auch im Team systematisch trainiert werden, indem kritische Ereignisse antizipiert und als konkrete Fallbeispiele bearbeitet werden. Zu diesem Zweck werden spezifische Methoden der Simulation eingesetzt. HLOs sind echte lernende Organisationen, denn sie nutzen jede von der Norm abweichende Situation, um den besten Weg des Handelns zu gehen. Dadurch entwickeln sie gemeinsame mentale Modelle, die für erfolgreiche Bewältigung zukünftiger kritischer Situationen notwendig sind.
HLOs sind lernende Organisationen
Darüber hinaus besitzen HLOs eine hohe Fähigkeit zu Reflexion und Feedback. Einsätze und größere Handlungseinheiten werden in einer Einsatzbesprechung thematisiert und als Lessons learned in das Handlungsrepertoire integriert. Sie stützen sich dabei auf die bewährte Methode des After Action Review.
Ein weiterer Faktor für die Funktionsfähigkeit von HLOs ist ein ganzheitliches Rollenkonzept, das auf Grund sich überschneidender Kompetenzen aber flexibel an wechselnde Situationen angepasst werden kann. Die Fähigkeiten und Kenntnisse der Mitglieder sind nicht arbeitsteilig abgegrenzt, sondern bauen auf Basiskompetenzen auf, die es ermöglichen, dass Mitarbeiter schnell und zuverlässig in der Lage sind, den Arbeitsbereich eines anderen zu übernehmen.
Wenn Du ein Schiff bauen willst, so trommele nicht Männer zusammen,
um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen,
sondern lehre den Männern die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer
[Antoine de Saint Exupery]
Anforderungsprofile von Führung müssen sich mit den Rahmenbedingungen, insbesondere den durch den Führungsprozess beeinflussbaren Variablen von Höchstleistung befassen und die Führungspraxis entsprechend ausrichten. Neben dem klassischen Kanon an Kompetenzen spielen folgende Faktoren eine bedeutende Rolle:
- Regeln sind wichtig, aber Regelkonformität hilft wenig, wenn neue und unvorhersehbare Ereignisse eintreten. Deshalb sind gemeinsame Handlungsprinzipien und Werte wichtiger. Der Führungskraft muss es gelingen, durch gemeinsame Reflexion und kollektives Handeln ein gemeinsames Realitätsverständnis zu erzeugen. So entstehen Vertrauen und mehr Verständnis für die Gesamtorganisation und ihr Handeln. Führungskräfte sind nicht in erster Linie Controller, sondern diejenigen, die den ständigen Dialog und das Feedback im Prozess vorantreiben.
- Die Unsicherheit, die mit dem Entscheidungsprozess einhergeht, nimmt entsprechend der Steigerung von Komplexität in den Organisationssystemen überproportional zu. Wer Führungspositionen beansprucht, sollte sich darüber im Klaren sein, dass man von Führung Sicherheit erwartet und der Führungskraft zumutet, mit Unsicherheiten umgehen zu können. Es geht also darum, kritische Situationen schnell und präzise einschätzen zu können und entsprechende Entscheidungen zu treffen.
- Entscheidungen können in den seltensten Fällen im vor hinein legitimiert und abgestimmt werden. Aber wer ehrlich und in seinen Handlungen nachvollziehbar ist, kann seine Entscheidungen jederzeit begründen und sich berechtigter Kritik stellen.
- Motivation lässt sich nicht von außen einpflanzen. Aber wer das Selbstwertgefühl seiner Mitarbeiter stärkt, sich selbst an seinen Worten messen lässt, sorgt für ein Klima der gegenseitigen Achtung und schafft Voraussetzungen für den Willen zum Erfolg.
- Hochleistungsteams lernen schnell und intensiv. Die Führungskraft lernt mit den Organisationsmitgliedern und nutzt jede Möglichkeit, um Handlungssituationen für das Organisationslernen zu nutzen. Sie ist kein Alleswisser, sondern derjenige, der Lernprozesse ermöglicht.
Ein schlankes Modell für die Führungskräfteentwicklung
- Der Start: Ein eintägiges Meeting, in dem Führungskräfte lernen, wie Hochleistungssysteme funktionieren und welche Rolle sie in diesen einnehmen
- Das Coaching: Führungskräfte lernen, wie Sie ihre individuellen Stärken in den Führungsprozess einbringen. Zeitraum und Ziele werden individuell vereinbart.
- Die Praxis: In einem eintägigen Training lernen Führungskräfte spezifische Instrumente der Führungspraxis in Hochleistungsorganisationen
Ein Modell zur Strategieentwicklung für das
TOP-Management in HLOs
- Top Manager erarbeiten in einem eintägigen Kolloquium Strategien zur Organisationsentwicklung in Hochleistungssystemen. Sie entwickeln Ziele für Hochleistungsorganisationen und lernen, Wiedersprüche zu erkennen und auszubalancieren.
- In einem eintägigen Seminar werden Themen zur Praxis der Organisationsentwicklung von HLOs behandelt.
Die Bausteine des Modells im Überblick ...